IVO: Presse

Industrievereinigung stellt direkten Kontakt zwischen über 40 Unternehmen mit rund 400 Schülerinnen und Schülern her.

Nach der pandemiebedingten Unterbrechung im vorigen Jahr hat unlängst der 17. Odenwälder Studien- und Berufsinformationstag (OSBIT) stattgefunden. Es ist besonders der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Unternehmen und dem gastgebenden Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO) in Michelstadt sowie dem Organisationstalent von Gabriele Kleen (Recruiting & Employer Branding bei Pirelli Deutschland) zu verdanken, dass am 3. November 2021 wieder mehr als 40 Unternehmen ihr Ausbildungsangebot und die Karrierechancen über 400 Schülerinnen und Schülern vorstellen konnten.

Denn daran hat auch die Pandemie nichts geändert: Berufseinsteiger sind so gefragt wie schon lange nicht mehr. Wie schon in den letzten Jahren vor der Pandemie liefen alle Fäden in den Händen von Gabriele Kleen zusammen, die ehrenamtlich für die IVO, in Abstimmung mit dem Vorstand und den Schulen, die OSBIT auf die Beine stellte. Die Referenten stellten in 65 Einzelvorträgen, verteilt auf 17 Räume, Berufsbilder und Karrierechancen ihrer Unternehmen vor und standen den angehenden Abiturienten Rede und Antwort. Diese besuchen derzeit die Q1-Jahrgangsstufen an allen vier gymnasialen Oberstufen des Odenwaldkreises, werden also, wie die stellvertretende BSO-Schulleiterin Bärbel Rühl auf Nachfrage bestätigte, im Sommer 2023 auf den Studien- und Arbeitsmarkt wechseln.

Zu den Merkmalen und Erfolgsfaktoren der OSBIT zähle es, frühzeitig und möglichst umfassend den Blick in die Zukunft zu richten, ergänzte der IVO-Vorsitzende Rudolf Burjanko. Insofern knüpfte die aktuelle OSBIT an die Jahre zuvor an, als „Tag der Chance“, wie Burjanko die direkte Begegnung zwischen Schülerinnen und Schülern einerseits und potenziellen Arbeitgebern und Hochschulträgern andererseits bezeichnete. „Mit der OSBIT stellen wir Odenwälder Firmen und welchen aus den Nachbarregionen eine Plattform zur Darstellung ihrer Leistungsfähigkeit zur Verfügung.“ Einen bemerkenswerten Unterschied zu den Veranstaltungen der Vorjahre gab es aber schon. Die Veranstalter entschieden sich für eine Änderung, die gleich zu Beginn sichtbar wurde, noch bevor die ersten Referenten in den Klassenräumen das Wort ergriffen. Anstelle der seither üblichen Zusammenkunft aller in der Odenwaldhalle erfolgte die Begrüßung per Lautsprecherdurchsage. Damit reagierten IVO und die gastgebende Schule auf die Vorgabe, auf größere Zusammenkünfte auf engem Raum zu verzichten. Den Coronaregeln geschuldet wurden auch alle Teilnehmenden am Vortag getestet.

Lange Zeit sei es keineswegs sicher gewesen, dass die 17. OSBIT in Form einer Präsenzveranstaltung durchgeführt werden könnte, brachte Burjanko es auf den Punkt. Er dankte allen an der Organisation Beteiligten „denn es war in den letzten Monaten ein Auf und Ab, ein Planen und Abwägen, ob das in der Form stattfinden kann“. Darauf dürfe man auch ein bisschen stolz sein; „ich persönlich betrachte die Veranstaltung als Schritt in eine gewisse Normalität“, so Burjanko.

Gemeinsam mit BSO-Schulleiter Wilfried Schulz richtete er seinen Appell an die angehenden Abiturienten, die OSBIT als Einstieg zu verstehen, sich ausführlich mit dem Ausbildungs- und universitären Angebots in der Region auseinanderzusetzen. „Was viele nicht wissen. Hier gibt es Global Player, kleine und mittelständische Firmen, High-Tech Companies bis hin zu hochspezialisierten Dienstleistern. Das Angebot ist attraktiv und vielfältig“, warb Burjanko um eine rege Teilnahme. Wie Björn Denefleh, der am BSO für die Berufsorientierung zuständig ist, und Michael Kinstler, Oberstufenleiter am benachbarten Gymnasium, übereinstimmend bestätigten, handelt es sich beim OSBIT um eine Pflichtveranstaltung an den beteiligten Schulen. Die Schülerinnen und Schüler konnten bereits vor den Herbstferien aus dem umfangreichen Vortragsprogramm ihre Wunschveranstaltungen auswählen und sich zur Teilnahme anmelden. Zusätzlich zu Nachbereitungen an den Schulen werden die Erfahrungen über einen Evaluierungsbogen ermittelt und an die Organisatoren weitergeleitet, so Kinstler.

Auf diesen Weg der Fachkräftegewinnung von morgen machten sich nicht nur die größten Arbeitgeber in der Region wie Merck, Pirelli, Bosch Rexroth, Gesundheitszentrum Odenwaldkreis, Deutsches Rotes Kreuz und die Geldinstitute auf den Weg. Vertreten waren auch öffentliche Arbeitgeber wie die Kreisverwaltung, das Polizeipräsidium Südhessen und das Finanzamt Michelstadt. Für einen universitären Ausbildungsweg warben neben anderen die Hochschule Darmstadt und im Odenwald ansässige Architekturbüros und Anwaltskanzleien. Wer sich über Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr oder im Gesundheits- oder Sozialwesen informieren wollte, konnte sich ebenfalls Informationen aus erster Hand einholen. Für einen Erstkontakt und darüber hinaus standen Berufsberater der Arbeitsagentur Darmstadt zur Verfügung.

Hinweis zum Bild:

Für die OSBIT aktiv: Gabriele Kleen (links) und vom IVO-Vorstand Heinz-Peter Aulbach (Zweiter von rechts und Rudolf Burjanko (rechts). 
Fotograf: Manfred Giebenhain


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 08.11.2021

Wohin soll die Reise gehen?
Besser gesagt: Wie rüstet sich die Politik, um den Odenwaldkreis, und insbesondere den Wirtschaftsstandort, für die Zukunft aufzustellen? 

Zu dieser Fragestellung haben die Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) und die IHK Darmstadt den im März mit deutlicher Mehrheit wiedergewählten Landrat Frank Matiaske (55) zu einem Gespräch eingeladen.

Absicht war es, weit über eine Aufzählung der aus Sicht des Kreischefs wichtigsten Zielsetzungen hinauszugehen. An der als Wirtschaftstalk deklarierten Veranstaltung am 27. Oktober 2021 hat ein gutes Dutzend Vertreter und Mitglieder der Gastgeber teilgenommen. Das Geschehen verfolgten weitere Zuschauer aus den Reihen der Odenwälder Wirtschaft über eine Online-Schaltung, was Publikumsfragen möglich machte.

Der Wirtschaftstalk mit dem Landrat fand am Mittwoch im Showroom des Michelstädter Unternehmens LY Holding statt; ein ansprechender Ort, auf den die Wahl nicht zuletzt auch der starken Datenleitungen wegen gefallen war. Die Hybridveranstaltung wurde aufgezeichnet und wird im Nachgang auf den jeweiligen Internetseiten der IVO und der IHK veröffentlicht. Als roter Faden des rund 90minütigen Interviews diente das über 500 Seiten starke Kreisentwicklungskonzept 2021, das derzeit den kreispolitischen Gremien zur Diskussion vorliegt; dies mit dem Ziel, „ob und wie diese vorgeschlagenen Zielsetzungen auch politisch festgesetzt werden können und welche Handlungsoptionen umgesetzt werden sollen“, wie es in der Kurzbeschreibung zu dem Planwerk heißt. Im Mittelpunkt der Fragestellungen von Moderator Markus Philipp (Modautal) standen, den Interessen der Gastgeber entsprechend, Themen und Ziele zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landkreises. Flankierend stellte Matiaske sich den Fragen zum demografischen Wandel, zum Fachkräftebedarf, zur Verkehrsinfrastruktur und zum Ausbau des Glasfasernetzes. Zum Einstieg berichtete der im Landratsamt zuständige Planer, Valentin Kuffer, über den Stand der Kreisentwicklung. Trotz seines reichlichen Umfangs erhebe „das Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, unterstrich Matiaske in Bezug auf die vom Fragesteller zitierten Kritiken, die seit der Veröffentlichung bekannt geworden seien.

Die Entwicklung des an Einwohnern kleinsten hessischen Landkreises hänge maßgeblich auch am Miteinander mit seinem Umland und insbesondere mit der Metropolregion Rhein-Main zusammen, positionierte Matiaske sich gleich zu Beginn des Gesprächs für eine noch stärkere Beteiligung. Dies sei auch bei der jüngst erfolgten Vernetzung im Gesundheitswesen deutlich geworden. Diese Antwort zielte auch in die Richtung der Fragestellung, was in seiner ersten Amtsperiode nicht zu seiner Zufriedenheit gelaufen sei. Große Sorgen bereite ihm weiterhin die unzureichende Finanzierung des Gesundheitszentrums, so Matiaske, der den Gesetzgeber in der Pflicht sieht, die Krankenhausfinanzierung neu zu regeln. Handlungsbedarf stellte Matiaske auch beim Ausbau der Plätze in der Tagesklinik und Tagespflege sowie im Ausbildungsangebot der kreiseigenen Krankenpflegeschule fest.

Damit war das Gespräch bei nicht weniger bedeutenden Themen wie der demografischen Entwicklung und dem Fachkräftebedarf angekommen. Stark machen will Matiaske sich für bessere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was ausreichende und der Nachfrage angemessene Angebote in der Kinderbetreuung ebenso wie die Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen einbeziehe. An dieser Stelle warb der IVO-Vorsitzende Rudolf Burjanko dafür, mehr in die berufliche Wiedereingliederung und Nachqualifizierung von Frauen zu investieren, um deren Erwerbschancen ebenso zu verbessern wie dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. Als weitere Zielgruppe machte Matiaske ausländische Neubürger aus, für die besondere Anstrengungen in der Integration und Qualifizierung unternommen würden. Schließlich richtete der Kreischef an die große Zahl der beruflichen Auspendler einen Appell, sich das breit gefächerte Arbeitsplatzangebot der heimischen Wirtschaft anzusehen Nicht zuletzt durch kürzere Fahrtzeiten würde dies auch mehr Lebensqualität für die Erwerbstätigen bedeuten.

Darauf angesprochen, unter welches übergeordnete Ziel er seine Anstrengungen einordne, antwortete Matiaske: „Am wichtigsten ist es mir, unseren Kreis als lebenswert zu erhalten. Mit jeder verhinderten Schließung, ob dies ein Gasthaus oder ein Geschäft betrifft, wird die Lebensqualität gestärkt.“ Für mehr Gewerbeflächen machte sich Daniel Theobald stark, der in der IHK verantwortlich zeichnet für die Standortpolitik. Es genüge auf Dauer nicht, nur den Bestand zu sichern, ohne Anwerbungen vorzunehmen. Matiaske stimmte darin überein, dass der Odenwaldkreis ein größeres Potenzial für „grüne Technologien“ besitze als bisher davon Gebrauch gemacht worden sei. Wie weit vorne auf der politischen Agenda die Kreisentwicklung angesiedelt ist, erfuhren die Zuhörer auf die Frage des Moderators nach der Zielvorgabe im alle drei Jahre aktualisierten Prognos-Zukunftsatlas. 2019 landete der Odenwaldkreis im bundesweiten Ranking auf Rang 295. Matiaske möchte mit den seiner Ansicht nach vergleichbaren Nachbarkreisen Neckar-Odenwald und Miltenberg gleichziehen. Diese rangierten zuletzt auf Platz 207 beziehungsweise 238.

Video vom Wirtschafts-Talk: 
https://www.youtube.com/watch?v=OLQPMsDYDuQ

Hinweis zum Bild: Wirtschaftsgespräch mit Landrat Frank Matiaske am 27. Oktober 2021
Fotograf: Arndt Falter

 


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 08.11.2021

Hat die Pandemie den Mangel an Fachkräften beschleunigt oder reduziert?
In Bezug auf den Odenwaldkreis ist Dr. Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Goethe-Universität Frankfurt zu einem differenzierten Ergebnis gekommen.

In jedem zweiten Jahr werden die Daten neu erhoben, machte die Wissenschaftlerin zu Beginn ihres Vortrags am Beruflichen Schulzentrum in Michelstadt deutlich. Der Odenwaldkreis war der erste Landkreis in Hessen, der mit dem brandneuen Material von Regio Pro (Regionale Beschäftigungs- und Berufsprognosen) versorgt wurde.

In der Summe habe der Arbeits- und Fachkräfteengpass im Odenwald durch Corona eine leichte Entspannung erfahren, so Larsen. Ohne den Pandemieeffekt wäre in der Siebenjahresbetrachtung (2017 bis 2024) eine Lücke von annähernd 5000 Fachkräften entstanden; tatsächlich sei von einer Lücke von 4170 Beschäftigten bis zum Jahr 2026 auszugehen. Damit zähle der Odenwaldkreis mit einer Fachkräftelücke von zwölf Prozent (anteilig der Gesamtbeschäftigten) zu den Schlusslichtern in Hessen.

Die einzelnen Branchen betrifft es unterschiedlich stark. Mit etwa zehn Prozent komme der größte Sektor, die kunststoffverarbeitende und Kautschuk-Industrie, noch vergleichsweise glimpflich davon. Härter betroffen sei der Bedarf in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (-13 Prozent), bei den Gebäude- und versorgungstechnischen Berufen (-29) oder in der Gesundheitsbranche (-23) und Altenpflege (-24). Als die stärkste Gruppe unter den Potenzialen zur Fachkräftesicherung machte die Referentin die Frauen aus. Von den 8600 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen sei nur die Hälfte in Vollzeit beschäftigt; als Geringverdienerinnen kämen weitere 3300 hinzu. Als Problem dieser Beschäftigungslücke gegenüber Männern machte sie eine „Lohnlücke“ von 19,7 Prozent aus, womit der Odenwaldkreis den drittschlechtesten Platz unter allen 26 Gebietskörperschaften (Hessen im Durchschnitt 11,9) einnehme. Mit einer Verringerung von gerade mal 1,9 Prozent (Hessen: 4,0) in den Jahren 2012 bis 2018 hinke der kleinste Landkreis in der Entwicklung gar auf dem letzten Platz hinterher.

Larsen räumte auch den älteren Beschäftigten und vor allem Auspendlern weitere Potenziale ein, um den Fachkräftebedarf decken zu können. Mit 56 Prozent suchten derzeit besonders im Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik mehr als jeder zweite Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz auf, der sich außerhalb der Kreisgrenzen befinde. Arbeitgebern, die nach Arzthelferinnen, Fachkräften in der Kranken- und Altenpflege sowie in der Erziehung suchten, empfahl sie, ein ungenutztes Potenzial von 20 bis 27 Prozent anzusprechen, das in der Altersspanne zwischen 50 und 59 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehe.

An der Veranstaltung am 7. September nahmen rund 30 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden teil. Eingeladen hatte die Kreisverwaltung; bei der Durchführung traten die IVO und die OREG als Unterstützer auf.


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 13.09.2021

Wirtschaftsbeirat der OREG erstellt Bestandsaufnahme und setzt auf Kooperation

Erbach. Wie bewerten Vertreter der Odenwälder Wirtschaft die derzeitige Lage und die möglichen Auswirkungen der Coronakrise für den Wirtschaftsstandort Odenwaldkreis und die heimische Wirtschaft? Mit dieser Fragestellung hat der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats der Odenwald-Regionalgesellschaft mbH (OREG), Jürgen Walther, die Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums um ihre fachliche Einschätzung gebeten. Damit ist die Odenwälder Wirtschaft auch in den Dialog um eine vollumfängliche Bewertung der gesamtgesellschaftlichen Lage eingetreten.

Die Satzung des Wirtschaftsbeirats regelt, dass das ehrenamtlich arbeitende OREGBeratungsgremium vom Vorsitzenden der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) geführt wird. Mit dieser Rolle wurde Walther von den Mitgliedern der IVO zum ersten Mal vor zehn Jahren betraut. „Die Gesellschaft und die Wirtschaft weltweit befindet sich in einer Situation ungekannter Herausforderungen. Keiner von uns weiß, was noch auf uns zukommt und keiner kann abschätzen, wie sich die Situation entwickelt“, hat Walther seiner Fragestellung vorangestellt. Wie er, begrüßen auch andere namhafte Wirtschaftsvertreter der Region, dass sich in einer zweiten Phase der Krisenbewältigung neben Politiker und Virologen nun auch Fachleute aus Bereichen wie der Ökonomie, Psychiatrie und Psychologie, Agrar- und Sozialwissenschaftler in die Diskussion um weitere Maßnahmen eingebracht und ihre Empfehlungen für einen geordneten Ausstieg aus dem Shutdown abgegeben haben.

Zu den Stärken addiert Walther, dass die OREG und der Bereich Wirtschaftsförderung bereits in einem regen und förderlichen Austausch mit der heimischen Wirtschaft steht und das engmaschig gestrickte Netzwerk sich besonders jetzt in der Krise bewährt. „Das Team rund um Geschäftsführer Marius Schwabe und Gabriele Quanz leisten hervorragende Arbeit. Wir begrüßen es sehr, dass der Wirtschafts-Service mit einer kostenfreien telefonischen Beratungsstelle den Odenwälder Unternehmen bei der Auskunft und Beantragung der Soforthilfen aus den Bundes- und Landesprogrammen tatkräftig zur Seite steht (siehe auch unter www.oreg.de/info-corona/).“

Aus der Rezession darf keine Depression werden

Der Vorstandsprecher der Volksbank Odenwald, Ralf Magerkurth, befürchtet, dass besonders der Mittelstand, die kleinen und mittleren Unternehmen, die Auswirkungen dieser Krise hart zu spüren bekommt. Bundesweit treffe dies vorrangig auf die Gastronomie und Hotellerie und das Reisegewerbe zu, davon können auch Eventagenturen, Kinos, Fitnessunterschätzen sind die Auswirkungen im Prüfungsbereich. Durch die zeitlichen Verschiebungen der Prüfungen müssen eventuell Ausbildungszeiten verlängert werden“, gibt Buschmann zu Bedenken.

Ungerechtigkeiten schnellstmöglich beseitigen

Landrat Frank Matiaske betont, dass es ihm in der derzeitigen Situation wichtig ist, sowohl die Seite der Unternehmen und ihrer Inhaberinnen und Inhaber als auch die der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick zu haben. „Viele machen sich verständlicherweise große Sorgen um die eigene Firma, aber auch darüber, ob der Kredit für das Eigenheim zurückgezahlt werden kann.“ Deshalb sei ein kompetentes Beratungsangebot in allen Bereichen wichtig. Mit Blick auf den „Shutdown“ dringt Matiaske darauf, dass im ersten Schritt Ungerechtigkeiten schnellstmöglich beseitigt werden müssten.

Für den Bereich der Industrie stellt Jürgen Walther als IVO-Vorsitzender fest, dass in dem für den Odenwald prägenden Bereich Kunststoff- und Kautschukverarbeitung sowie Maschinenbau ebenfalls ein differenziertes Bild zu zeichnen ist. Während große Bereiche der Reifenproduktion in der Region weiterhin stillstehen, kommen die Kunststoff-Verarbeiter im Bereich der Medizintechnik mit ihren Kapazitäten kaum nach, den Bedarf zu bedienen. Auch die Plexiglas-Verarbeiter arbeiten zum Teil im Schichtbetrieb, einerseits um die Ansteckungsgefahr unter den Mitarbeitern zu minimieren, andererseits aber auch um der große Nachfrage nach sog. Spuck-Schutzen nachzukommen.

„Schwierig ist es auch für die großen Montagebetriebe, die auf die Lieferung von Komponenten aus Italien oder China angewiesen sind, um ihre Produkte herzustellen. Völlig eingebrochen hingegen sind die Aufträge der Werbeagenturen, der Event- und Messebranche“, ergänzt Walther.


Über 700 Firmen beantragten Kurzarbeitergeld


Die Wirtschaftsvertreter stimmen darin überein, dass bei einer Lockerung der Abschottungsmaßnahmen Risikogruppen besonders berücksichtigt werden müssen. Magerkurth geht fest davon aus, dass es weiterhin erhebliche Verhaltensregeln zu beachten geben wird, was auch auf den normalen Wirtschaftsbetrieb und die Speisegastronomie zutreffen wird. „Großveranstaltungen bleiben problematisch und stehen wohl am Ende der Kette der Normalisierung.“ Die Politik sei gut beraten, den volkswirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, damit am Ende die vielen Förderprogramme und die Stabilität des Gesundheitswesens aufrechterhalten werden können.


Eine Ende März von der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar gestartete Blitzumfrage bestätigt, dass in Folge der verhängten Maßnahmen jedes vierte Unternehmen in Südhessen damit rechnet, dass der eigene Umsatz im laufenden Jahr um bis zur Hälfte einbrechen wird. Von einer Insolvenz sehen sich 17 Prozent der Unternehmen bedroht. Mit 709 Firmen (von insgesamt 4014), die bis Ende März Kurzarbeitergeld beantragt haben, ist der Odenwaldkreis überdurchschnittlich stark betroffen (IHK-Bezirk gesamt: 6945 von insgesamt 45 829). Zum Vergleich die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten: IHK-Bezirk 387 790; Odenwaldkreis 27 659. „Im Odenwaldkreis liegt der Anteil der Industriebeschäftigten mit 40 Prozent sogar über dem südhessischen Durchschnitt“, betont Dr. Daniel Theobald, der den


Autor: WIRTSCHAFTSBEIRAT der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (OREG), Erbach
Veröffentlicht: 16.04.2020