IVO: Presse

Spannende Blicke in die Zukunft der digitalisierten Welt

„Was die Zukunft anbelangt, so haben wir nicht die Aufgabe, sie vorherzusehen, sondern sie zu ermöglichen.“ Was hat dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry mit dem Lern- und Forschungszentrum Odenwald (kurz: LeFoO) zu tun, das vor etwas mehr als zwei Jahren am Beruflichen Schulzentrum seine Tätigkeit aufgenommen hat? Wer im A-Bau dem Treppenaufgang bis in das dritte Obergeschoss folgt, betritt Räume, die zu verstehen geben, weshalb das LeFoO die Worte des 1944 verstorbenen französischen Schriftstellers zum Slogan erklärt hat. Weder an wissenshungrigen Schülern noch an Besucherinteresse mangelt es an diesem Ort der „digitalen Transformation“.

Mit dieser zutreffenden Beschreibung hatte zuletzt die Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) ihre Mitglieder für Donnerstag, 14. Juli 2022, zum Businesstreff eingeladen. Der Vorsitzende Rudolf Burjanko und sein Stellvertreter Heinz-Peter Aulbach hatten nicht zu viel versprochen, als sie zum Vergleich die Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt und Gesellschaft mit der industriellen Revolution im letzten Jahrhundert herangezogen haben. Wer im Dachgeschoss des A-Baus von Raum zu Raum geht, findet in gebündelter Form digitale Techniken vor, wie sie bereits in der Industrie in bestimmten Fertigungszweigen Einzug gehalten haben und nach und nach alle Branchen erobert. Die Rede ist von den Technologieschwerpunkten Robotics und Digitalisierung (Bauen und Programmieren), 3D-Druck, 3D-Scan, CAD, Lasercutting (Konstruieren und Produzieren) und Virtual and Augmented Reality (Gestalten und Visualisieren). Dem entsprechend groß sei das Interesse nicht nur bei jungen Menschen, für die das Lern- und Forschungszentrum eingerichtet wurde, stellte Projektleiter Thorsten Wohlgemuth vor.

„Mit dem LeFoO sprechen wir junge Leute an, auszuprobieren, wie die digitale Welt und Technik funktionieren und wozu sie eingesetzt werden kann“, erklärte BSO-Schulleiter Wilfried Schulz. Kein anderer Schulstandort im Bezirk der IHK Darmstadt, die vor Jahren den Anstoß zur Implementierung der sogenannten MINT-Zentren (Die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) in jedem Landkreis gegeben hatte, hat eine vergleichbare Entwicklung hinlegen können wie das LeFoO. Zum Erfolg beigetragen haben annähernd 20 Unterstützer, angefangen von Geldgebern wie der Europäischen Union und dem Odenwaldkreis, namhafte Universitäten und Hochschulen, global agierende Unternehmen, die im Odenwald zuhause sind, sowie Kreditinstitute und öffentliche Träger.

Wie viele Gäste vor ihnen, nahmen auch die IVO-Mitglieder die Gelegenheit wahr, zusätzlich zu den Erläuterungen die Funktionsweise von VR- und AR-Brillen (Virtuell and Augmented Reality = virtuelle und erweiterte Realitäten) persönlich auszuprobieren. Beeindruckt von den Möglichkeiten waren zuletzt auch 15 Studenten der Fachrichtung Produktdesign von der Brüder Grimm Berufsakademie Hanau, die Ende Juni gemeinsam mit ihrem Dekan einen Arbeitstag im LeFoO verbracht haben. An diesem Beispiel verdeutlichte Wohlgemuth, dass das außergewöhnlich hohe Niveau einem Alleinstellungsmerkmal entspreche und dazu führt, dass „wir damit die jungen Menschen in den Odenwald holen, wo es doch in aller Regel bisher umgekehrt gelaufen ist“. Auch beim Boys- and Girls-Day im April waren die 15 Plätze schon früh vergeben. Angemeldet hatten sich ausschließlich junge Frauen, darunter etliche mit Wohnsitz außerhalb des Landkreises. Keine Frage: Darin waren sich Unternehmer und die Vertreter der Bildungseinrichtung einig: „Hier werden virtuelle Brillen von jungen Leuten nicht nur zum Spaß aufgesetzt, sondern von den Fachkräften von morgen.“ Und dies nicht nur von wenigen, wie Wohlgemuth die Nachfrage bezifferte. Mit 250 Teilnehmern sei das Jahresziel von 2022 fast schon im ersten Halbjahr erreicht worden. Wie individuell und kreativ ans Werk gegangen werden kann, zeigte das Ergebnis einer Abschlussarbeit von drei Schülern der Fachschule für Holztechnik. Ihr mit einem Gehäuse aus Holz ausgestatteter Laptop mündete in eine Einladung, das Produkt auf der Europäischen Fachmesse für Maschinentechnologie und Fertigungsbedarf, der Holz-Handwerk 2022, in Nürnberg vorzustellen. Eine andere Gruppe von Schülern mit den technischen Möglichkeiten des LeFoO einen virtuell begehbaren Schlafraum erstellt, wie dieser für die gerade im Bau befindlichen Kindertagesstätte in Seckmauern vorgesehen ist.

Ferienkurse

Das LeFoO legt auch während der Sommerferien keine Pause ein, sondern hält ein Kursangebot vor, das sich auf fünf Tage erstreckt. An den ersten drei Tagen, von Montag, 1., bis Mittwoch, 3. August, werden drei Gruppen zu je maximal zehn Teilnehmern gebildet, die sich im täglichen Wechsel mit den Technologieschwerpunkten Robotics und Digitalisierung, 3D-Druck, 3D-Scan, CAD, Lasercutting und Virtual and Augmented Reality beschäftigen. Auf die Einführung folgt in den beiden darauffolgenden Tagen (Donnerstag und Freitag, 4., und 5. August) das Angebot an jeden einzelnen Teilnehmer, durch eine Vertiefung sich in einem der drei Schwerpunkte persönlich weiterzubilden. Die täglichen Kurszeiten bewegen sich zwischen 9 und 14 Uhr. Ziel der Kurse ist es, neben dem Erwerb von Grundwissen; beispielsweise beim Berufseinstieg, den spielerischen Umgang mit komplexen Technologien und Software zu erlernen sowie der Anspruch, erlerntes Wissen in die Praxis umzusetzen. Bei den Kursen handelt es sich um ein begrenztes sowie kostenfreies Angebot. Teilnehmen kann, wer mindestens die Jahrgangsstufe 5 besucht. Die Anmeldung erfolgt online über die Website www.lefoo.de.

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Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 18.07.2022

IVO mit dabei beim Antritts- und ersten Unternehmensbesuch im Odenwald

Wie ist die Odenwälder Wirtschaft durch die Coronakrise gekommen? Wie ist sie heute aufgestellt angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels, der Lieferkettenprobleme, der Teuerungsrate und der unsicheren Lage und Entwicklung auf dem Weltmarkt? Was beschäftigt Industrie, Handel und Dienstleister in der Region schon länger; wo will es einfach nicht vorangehen? Diese Fragen stehen stellvertretend für die vielen Antworten und Anregungen, die am Freitag Repräsentanten der heimischen Wirtschaft dem neuen hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU) bei seinem Antrittsbesuch im Odenwaldkreis mit auf den Weg gaben. Für den intensiven Meinungsaustausch, der im Gewerbepark Hüttenwerk stattgefunden hat, nahm der Gast aus Wiesbaden sich mehr als zwei Stunden Zeit.

Für die Staatskanzlei machte der Besuch den Anfang für einen „Zukunftsdialog mit der Industrie“, der seinen Fokus auf Klimaschutz und zukunftsorientierte Regionalentwicklung richte, hieß es in dazu in einer begleitenden Meldung. Es war der erste Unternehmensbesuch des Ministerpräsidenten seit seinem Amtsantritt. Der Besuchskontakt war über die Michelstädter CDU-Landtagsabgeordnete Sandra Funken geknüpft worden, die ihrerseits die Details des umfangreichen Programms mit dem Mitgründer und Mitinhaber des Gewerbeparks, Christian Mühlhäuser, abstimmte. Dabei herausgekommen waren vier Firmenvorstellungen beziehungsweise -besichtigungen, die um Präsentationen des Gewerbeparks, des Bildungsstandorts Odenwaldkreis und der ehrenamtlichen Arbeit der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) ergänzt wurden. Zu Beginn stellte Mühlhäuser den geladenen Gästen die wichtigsten Stationen der über 450 Jahre alten Geschichte des Standorts von der Eisenverhüttung bis zum Gewerbepark vor. „Es ist dem großen Engagement vieler Menschen zu verdanken, was zu diesem Erfolg geführt hat“, so Mühlhäuser.

Nach der Schließung der Howardwerke im Michelstädter Stadtteil Asselbrunn war es das Event-Lokal Hüttenwerk, das mit seinem ersten Konzert im September 2003 den Grundstein legte für den heute an dieser Stelle vorhandenen Branchenmix aus 15 Unternehmen. Dieser reicht vom klassischen Handwerk bis zum spezialisierten Produzenten und Zulieferer für die Großindustrie und stellt zusammen rund 160 Arbeitsplätze. Wie es der Unterhaltungs- und Eventbranche während der Corona-Pandemie ergangen ist, schilderte Michaela Tischler vom Event-Lokal: „Es ging von Hundert auf null runter.“ Überleben konnte ihr Unternehmen nur dank der staatlichen Hilfen, doch heute, wo alle wieder feiern und Veranstaltungen durchführen wollten, fehle es an qualifizierten Kräften. Ihre eindringliche Bitte an den Gast, bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht alles noch einmal durchmachen zu müssen, kam beim Ministerpräsidenten an. Rhein versicherte, man werde „alles daransetzen, dass es keinen Lockdown mehr gibt. Wir sind dabei zu lernen, mit dem Virus und der Krankheit umzugehen“. Die Einhaltung von Abstandsregeln und eine Wiedereinführung der Maskenpflicht wollte er allerdings nicht ausschließen.

Rhein weiter: „Weltweite Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ausbruch des Ukraine-Kriegs bürden nicht nur Bürgern, sondern auch Unternehmen zusätzliche Belastungen auf. Daraus resultieren kurz- und mittelfristig Transformationsprozesse, die wir als Landesregierung im stetigen Dialog mit den Unternehmen intensiv begleitend unterstützen werden.“ Das Land habe die Verpflichtung, für Wohlstand, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Innovationskraft auch in ländlichen Regionen einzustehen und dabei den Klimaschutz nicht aus den Augen zu verlieren. Während der Gespräche und Besichtigungen zeigte Rhein sich beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und dem Zusammenhalt der Unternehmen. Auch dies hörten die Gastgeber gerne: „Dieser Standort kann vorbildlich für andere Landkreise sein.“

Für die IVO stellte der Vorsitzende Rudolf Burjanko die Stärken der regionalen Wirtschaft heraus. Die Bruttowertschöpfung im Landkreis werde mit nahezu 95 Prozent vom produzierenden Gewerbe sowie der Dienstleistungsbranche erbracht. Als „Brennpunkte“ machten Burjanko, Mühlhäuser und Firmeninhaber Stephan Koziol Schwächen in der Infrastruktur (am Beispiel von überlasteten Abschnitten entlang der Bundesstraßen 38 und 45), den Ausbildungsmarkt sowie eine ihrer Ansicht nach zu geringe Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit der Odenwälder Wirtschaft in den Ballungsräumen fest. Auf das Problem schwindender Berufsschülerzahlen am Michelstädter Standort machte Wilfried Schulz vom Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis aufmerksam. In seiner Kurzpräsentation stellte der Schulleiter auch das neue Studienangebot in Internationaler Betriebswirtschaftslehre und das Lern- und Forschungszentrum vor. Der Besuch führte zur Besichtigung der neuen Fertigungsstraßen in der in diesem Jahr in Betrieb genommenen Fertigungshalle der Odenwälder Faserplattenwerke GmbH (OWA). Geschäftsführer Maximilian von Funck stellte die umwelt- und ressourcenschonende Produktion von Deckensystemen vor. Der Rundgang endete mit der Vorstellung der Almit GmbH durch den Firmengründer und -leiter Michael Mendel, der sein Unternehmen über Jahrzehnte hinweg zu einem führenden Anbieter von Lötdrähten und bleifreien Lötpasten entwickelt hat.


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 08.07.2022

Die Vorbereitungen für den Odenwälder Studien- und Berufsinformationstag (OSBIT) sind bereits im Gange, damit am 10. November wieder mehr als 400 Schülerinnen und Schüler der Q1-Jahrgangsstufen von allen vier gymnasialen Oberstufen des Odenwaldkreises sich aus erster Hand über ihre Berufs- und Karrierechancen informieren können.

„Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den Unternehmen in der Region und den Schulen, weshalb wir auch das ganze Jahr über fortlaufend die Kontakte knüpfen, begleiten und auf mehreren Feldern zur Sicherung des Fachkräftebedarfs unterwegs sind“, ergänzt der Vorsitzende der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO), Rudolf Burjanko. Die IVO, die ihren Sitz in Michelstadt hat, richtet diese einmalige Kontaktbörse in diesem Jahr zum 18. Mal aus. Bei der ganztägigen Veranstaltung am Gymnasium in Michelstadt werden wieder über 40 Unternehmen aus der Region und darüber hinaus erwartet. Aktuell läuft eine andere Kampagne, die den Blick auf das neue Ausbildungsjahr richtet: die Ausbildungsbörse und Angebote für Schülerpraktikas für das Ausbildungsjahr 2022/23, die über den Onlineauftritt der IVO (www.ivo.de) eingesehen werden können.  „Um das vielfältige Ausbildungsangebote, das den jungen Menschen in der Region zur Verfügung steht, am besten abbilden zu können, können auch Unternehmen daran teilnehmen, die der IVO nicht angehören“, fügt Burjanko hinzu. Die Datenbanken für die Ausbildungsbörse als auch der Angebote für Schülerpraktikumsplätze sind gegliedert nach den Branchen kaufmännischer Bereich, technischer Bereich, Gesundheit und Pflege, Handwerk und andere. Die IVO hat die Unternehmen in der Region zur Teilnahme aufgerufen. „Die gebotenen Möglichkeiten gehen weit über die Nennung der bereit gestellten Praktikums- und Ausbildungsplätze hinaus“, so Burjanko weiter. Die Unternehmen können Kontaktpersonen angeben, mit denen Interessenten sich in Verbindung setzen können. Ferner besteht die Möglichkeit, eine Verlinkung auf firmeneigene Seiten vornehmen. Die Idee dahinter ist dieselbe wie beim OSBIT: Gesteigert wird damit die persönliche Kontaktaufnahme, was von beiden Seiten begrüßt wird.  Für den interessierten Nachwuchs lohnt sich der Blick auf die Online-Börsen auch aus anderen Gründen. Dank etlicher Verlinkungen dient diese zusätzlich dafür, um sich einen größeren Überblick zu verschaffen. Die Verknüpfungen führen zur Jobbörse der Arbeitsagentur, zur Lehrstellenbörse der IHK, zur Ausbildungs- und Praktikumsbörse der Handwerkskammer und auf die Ausbildungs-App des Unternehmerverbands Südhessen. Vorgesehen ist auch, im nächsten Jahr Plätze für den Girls Day und Boys Day aufzunehmen. 

INFO

Die Ausbildungsbörse der IVO steht im Internet unter www.ausbildung-odw.de und kann auch über den Webauftritt www.ivo-odw.de unter dem Button „Ausbildungsbörse“ aufgerufen werden. Wie Unternehmen ihre Angebote einstellen können, wird unter dem Button „Information für Firmen“ erklärt.

Bildunterschrift: Die IVO hat ihre Ausbildungsbörse www.ausbildung-odw.de aktualisiert (Foto: IVO)


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 06.07.2022

Am Donnerstag, 21. April 2022, fand die Jahresmitgliederversammlung der Industrievereinigung Odenwaldkreis im Eventlokal Hüttenwerk statt. 70 Jahre plus zwei – auf zusammen 72 Jahre blickt die IVO zurück.

Die zwei steht für die beiden zurückliegenden Jahre, in der es der Odenwälder Unternehmervereinigung nicht anders erging als allen Vereinen und Organisationen, die in erster Linie von der persönlichen Begegnung, dem fachlichen Austausch untereinander und dem unmittelbaren Einsatz für ihre Zielgruppen lebt. Der pandemischen Zwangspause war es geschuldet, dass der Vorsitzende Rudolf Burjanko und sein Stellvertreter und Schatzmeister, Heinz-Peter Aulbach (beide Erbach), gleich zwei Geschäftsjahre Revue passieren ließen. Nach Sitzungsende hatten die Mitglieder die Gelegenheit, das gastgebende Mitgliedsunternehmen Tischler Veranstaltungstechnik näher kennenzulernen und an einer Führung durch den Gewerbepark teilzunehmen. Es folgte ein gemütlicher Austausch mit kleinen Speisen und Getränken.

Sicher, das Jubiläumsjahr hatte die IVO sich anders vorgestellt. Die letzte Versammlung vom September 2020 fand bereits in eingeschränkter Form unter den damals geltenden Hygiene- und Abstandsregeln in einer Halle auf dem früheren Trelleborg-Gelände in Neustadt statt. Und das für November 2021 anberaumte Treffen musste gänzlich abgesagt werden, spannte Burjanko den Bogen um die Berichterstattung der beiden Jahre. Zu Beginn der Versammlung legten die Versammlungsteilnehmer eine Gedenkminute für die Opfer des Ukraine-Kriegs ein. Burjanko berichtete, dass bei einer Spendensammlung über 60 000 Euro für Unternehmen im Ahrtal, die von den Überschwemmungen betroffen waren, zusammengekommen sind.

Bei Enthaltungen von Mitgliedern des Spitzengremiums wurde der Vorstand ohne Gegenstimmen entlastet. Ebenfalls einstimmig fielen die Ergänzungswahlen des Vorstands aus sowie die Benennung von Claus Lau (Groß-Bieberau) zum ehrenamtlichen Geschäftsführer, der auf Christian Mühlhäuser (Michelstadt) folgte. Mit Lau habe man einen „Mann mit höchster Qualität in Sachen Digitalisierung“ für diesen Posten gewinnen können, bedankte Burjanko sich bei dem früheren Bosch-Manager. Dieser stellte sich per Videobeitrag der Versammlung vor; der IVO gehört er mit seinem Beratungsunternehmen Smart Business Excellence an.

Im Rückblick auf die 14 Jahre, die Mühlhäuser den Verein leitete, lenkte der frühere Vorsitzende Jürgen Walther (Bad König) den Fokus auf die Entwicklung, die besonders auf dem Feld der Berufsausbildung zum „Bildungsstandort Odenwald mit dem Schwerpunkt im Bereich Kunststoff und Kautschuk“ Fortschritte erzielen konnte. So sei es gelungen, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt einen Studiengang Internationale Betriebswirtschaftslehre am Studienstandort Michelstadt zu etablieren. Ebenfalls maßgeblich mitgestaltet habe Mühlhäuser auch den Beitritt des Odenwaldkreises zur Frankfurt RheinMain GmbH, der Wirtschaftsförderung der Region.

„Wir müssen uns Verbündete in der Region suchen und dürfen nicht darauf warten, dass die Metropolregion für uns tätig wird“, forderte Mühlhäuser dazu auf, in den Bemühungen nicht nachzulassen. Beim Thema Verkehrsanbindung sei schließlich am Beispiel der „dringend nötigen Ortsumgehungen“, so Walther, inzwischen auch Bewegung in die Bundesstraße 38 gekommen. Mühlhäuser gehört weiter dem Vorstand an; für weitere Amtszeiten wiedergewählt wurden auch Karl-Heinz Ihrig, Ralf Magerkurth, Torsten Schäfer, Willy Schmidt, Wolfgang Bechthold und Aziz Yüzer. Außerdem wurde der Vereinssitz von Bad König nach Michelstadt verlegt.

In seinem Bericht betonte Burjanko, was nicht zuletzt angesichts der Pandemie und deren negativen Begleiterscheinungen für Geschäftsleute in der Region bedeute: „Mitglied in der IVO zu sein ist von jeher ein Statement für die Wirtschaft und Gesellschaft im Odenwald, weit über den Ansatz eines Businessclubs hinaus. Wirtschaft ist zwar nicht alles, aber alles ist ohne Wirtschaft nichts.“ Wo es sich besonders zu engagieren lohne, machte er an der Bildung und Nachwuchsförderung deutlich: „Ein Verlust von Fachklassen in Richtung Darmstadt oder Offenbach wäre eine Schwächung des Ausbildungsstandorts im Odenwald und ein massiver Anschlag auf die Wirtschaft der Region.“ Wie es, auch unter Pandemiebedingungen, laufen kann und müsse, habe der 17. Odenwälder Berufs- und Informationstag (OSBIT) am 3. November 2021 am Beruflichen Schulzentrum gezeigt.

Über 400 Schülerinnen und Schüler konnten in 65 Einzelvorträgen von 40 Unternehmen einen unmittelbaren Einblick in die Ausbildungs- und Berufswelt in der Region gewinnen und Kontakte knüpfen. Überzeugt vom hohen Qualitätsniveau sei ferner auch das überaus positive Feedback der Teilnehmenden hinsichtlich der Bewertung der Referenten ausgefallen, so Burjanko. Als „aktuelle Brennpunkte“ machte der Vorsitzende die Umsatz- und Absatzhindernisse, Lieferengpässe und hohen Energiekosten, den Stand der Digitalisierung und die Bürokratie fest. Um dem weiter anhaltenden Fachkräftemangel zu begegnen, kündigte er die Bildung eines Fachausschusses an. In einem nächsten Schritt werde die IVO zu einem runden Tisch mit Externen einladen. Text und Fotos: Manfred Giebenhain

Pressebericht als PDF (mit Bildern)
Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 28.04.2022

Industrievereinigung stellt direkten Kontakt zwischen über 40 Unternehmen mit rund 400 Schülerinnen und Schülern her.

Nach der pandemiebedingten Unterbrechung im vorigen Jahr hat unlängst der 17. Odenwälder Studien- und Berufsinformationstag (OSBIT) stattgefunden. Es ist besonders der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Unternehmen und dem gastgebenden Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO) in Michelstadt sowie dem Organisationstalent von Gabriele Kleen (Recruiting & Employer Branding bei Pirelli Deutschland) zu verdanken, dass am 3. November 2021 wieder mehr als 40 Unternehmen ihr Ausbildungsangebot und die Karrierechancen über 400 Schülerinnen und Schülern vorstellen konnten.

Denn daran hat auch die Pandemie nichts geändert: Berufseinsteiger sind so gefragt wie schon lange nicht mehr. Wie schon in den letzten Jahren vor der Pandemie liefen alle Fäden in den Händen von Gabriele Kleen zusammen, die ehrenamtlich für die IVO, in Abstimmung mit dem Vorstand und den Schulen, die OSBIT auf die Beine stellte. Die Referenten stellten in 65 Einzelvorträgen, verteilt auf 17 Räume, Berufsbilder und Karrierechancen ihrer Unternehmen vor und standen den angehenden Abiturienten Rede und Antwort. Diese besuchen derzeit die Q1-Jahrgangsstufen an allen vier gymnasialen Oberstufen des Odenwaldkreises, werden also, wie die stellvertretende BSO-Schulleiterin Bärbel Rühl auf Nachfrage bestätigte, im Sommer 2023 auf den Studien- und Arbeitsmarkt wechseln.

Zu den Merkmalen und Erfolgsfaktoren der OSBIT zähle es, frühzeitig und möglichst umfassend den Blick in die Zukunft zu richten, ergänzte der IVO-Vorsitzende Rudolf Burjanko. Insofern knüpfte die aktuelle OSBIT an die Jahre zuvor an, als „Tag der Chance“, wie Burjanko die direkte Begegnung zwischen Schülerinnen und Schülern einerseits und potenziellen Arbeitgebern und Hochschulträgern andererseits bezeichnete. „Mit der OSBIT stellen wir Odenwälder Firmen und welchen aus den Nachbarregionen eine Plattform zur Darstellung ihrer Leistungsfähigkeit zur Verfügung.“ Einen bemerkenswerten Unterschied zu den Veranstaltungen der Vorjahre gab es aber schon. Die Veranstalter entschieden sich für eine Änderung, die gleich zu Beginn sichtbar wurde, noch bevor die ersten Referenten in den Klassenräumen das Wort ergriffen. Anstelle der seither üblichen Zusammenkunft aller in der Odenwaldhalle erfolgte die Begrüßung per Lautsprecherdurchsage. Damit reagierten IVO und die gastgebende Schule auf die Vorgabe, auf größere Zusammenkünfte auf engem Raum zu verzichten. Den Coronaregeln geschuldet wurden auch alle Teilnehmenden am Vortag getestet.

Lange Zeit sei es keineswegs sicher gewesen, dass die 17. OSBIT in Form einer Präsenzveranstaltung durchgeführt werden könnte, brachte Burjanko es auf den Punkt. Er dankte allen an der Organisation Beteiligten „denn es war in den letzten Monaten ein Auf und Ab, ein Planen und Abwägen, ob das in der Form stattfinden kann“. Darauf dürfe man auch ein bisschen stolz sein; „ich persönlich betrachte die Veranstaltung als Schritt in eine gewisse Normalität“, so Burjanko.

Gemeinsam mit BSO-Schulleiter Wilfried Schulz richtete er seinen Appell an die angehenden Abiturienten, die OSBIT als Einstieg zu verstehen, sich ausführlich mit dem Ausbildungs- und universitären Angebots in der Region auseinanderzusetzen. „Was viele nicht wissen. Hier gibt es Global Player, kleine und mittelständische Firmen, High-Tech Companies bis hin zu hochspezialisierten Dienstleistern. Das Angebot ist attraktiv und vielfältig“, warb Burjanko um eine rege Teilnahme. Wie Björn Denefleh, der am BSO für die Berufsorientierung zuständig ist, und Michael Kinstler, Oberstufenleiter am benachbarten Gymnasium, übereinstimmend bestätigten, handelt es sich beim OSBIT um eine Pflichtveranstaltung an den beteiligten Schulen. Die Schülerinnen und Schüler konnten bereits vor den Herbstferien aus dem umfangreichen Vortragsprogramm ihre Wunschveranstaltungen auswählen und sich zur Teilnahme anmelden. Zusätzlich zu Nachbereitungen an den Schulen werden die Erfahrungen über einen Evaluierungsbogen ermittelt und an die Organisatoren weitergeleitet, so Kinstler.

Auf diesen Weg der Fachkräftegewinnung von morgen machten sich nicht nur die größten Arbeitgeber in der Region wie Merck, Pirelli, Bosch Rexroth, Gesundheitszentrum Odenwaldkreis, Deutsches Rotes Kreuz und die Geldinstitute auf den Weg. Vertreten waren auch öffentliche Arbeitgeber wie die Kreisverwaltung, das Polizeipräsidium Südhessen und das Finanzamt Michelstadt. Für einen universitären Ausbildungsweg warben neben anderen die Hochschule Darmstadt und im Odenwald ansässige Architekturbüros und Anwaltskanzleien. Wer sich über Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr oder im Gesundheits- oder Sozialwesen informieren wollte, konnte sich ebenfalls Informationen aus erster Hand einholen. Für einen Erstkontakt und darüber hinaus standen Berufsberater der Arbeitsagentur Darmstadt zur Verfügung.

Hinweis zum Bild:

Für die OSBIT aktiv: Gabriele Kleen (links) und vom IVO-Vorstand Heinz-Peter Aulbach (Zweiter von rechts und Rudolf Burjanko (rechts). 
Fotograf: Manfred Giebenhain


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 08.11.2021

Wohin soll die Reise gehen?
Besser gesagt: Wie rüstet sich die Politik, um den Odenwaldkreis, und insbesondere den Wirtschaftsstandort, für die Zukunft aufzustellen? 

Zu dieser Fragestellung haben die Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) und die IHK Darmstadt den im März mit deutlicher Mehrheit wiedergewählten Landrat Frank Matiaske (55) zu einem Gespräch eingeladen.

Absicht war es, weit über eine Aufzählung der aus Sicht des Kreischefs wichtigsten Zielsetzungen hinauszugehen. An der als Wirtschaftstalk deklarierten Veranstaltung am 27. Oktober 2021 hat ein gutes Dutzend Vertreter und Mitglieder der Gastgeber teilgenommen. Das Geschehen verfolgten weitere Zuschauer aus den Reihen der Odenwälder Wirtschaft über eine Online-Schaltung, was Publikumsfragen möglich machte.

Der Wirtschaftstalk mit dem Landrat fand am Mittwoch im Showroom des Michelstädter Unternehmens LY Holding statt; ein ansprechender Ort, auf den die Wahl nicht zuletzt auch der starken Datenleitungen wegen gefallen war. Die Hybridveranstaltung wurde aufgezeichnet und wird im Nachgang auf den jeweiligen Internetseiten der IVO und der IHK veröffentlicht. Als roter Faden des rund 90minütigen Interviews diente das über 500 Seiten starke Kreisentwicklungskonzept 2021, das derzeit den kreispolitischen Gremien zur Diskussion vorliegt; dies mit dem Ziel, „ob und wie diese vorgeschlagenen Zielsetzungen auch politisch festgesetzt werden können und welche Handlungsoptionen umgesetzt werden sollen“, wie es in der Kurzbeschreibung zu dem Planwerk heißt. Im Mittelpunkt der Fragestellungen von Moderator Markus Philipp (Modautal) standen, den Interessen der Gastgeber entsprechend, Themen und Ziele zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landkreises. Flankierend stellte Matiaske sich den Fragen zum demografischen Wandel, zum Fachkräftebedarf, zur Verkehrsinfrastruktur und zum Ausbau des Glasfasernetzes. Zum Einstieg berichtete der im Landratsamt zuständige Planer, Valentin Kuffer, über den Stand der Kreisentwicklung. Trotz seines reichlichen Umfangs erhebe „das Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, unterstrich Matiaske in Bezug auf die vom Fragesteller zitierten Kritiken, die seit der Veröffentlichung bekannt geworden seien.

Die Entwicklung des an Einwohnern kleinsten hessischen Landkreises hänge maßgeblich auch am Miteinander mit seinem Umland und insbesondere mit der Metropolregion Rhein-Main zusammen, positionierte Matiaske sich gleich zu Beginn des Gesprächs für eine noch stärkere Beteiligung. Dies sei auch bei der jüngst erfolgten Vernetzung im Gesundheitswesen deutlich geworden. Diese Antwort zielte auch in die Richtung der Fragestellung, was in seiner ersten Amtsperiode nicht zu seiner Zufriedenheit gelaufen sei. Große Sorgen bereite ihm weiterhin die unzureichende Finanzierung des Gesundheitszentrums, so Matiaske, der den Gesetzgeber in der Pflicht sieht, die Krankenhausfinanzierung neu zu regeln. Handlungsbedarf stellte Matiaske auch beim Ausbau der Plätze in der Tagesklinik und Tagespflege sowie im Ausbildungsangebot der kreiseigenen Krankenpflegeschule fest.

Damit war das Gespräch bei nicht weniger bedeutenden Themen wie der demografischen Entwicklung und dem Fachkräftebedarf angekommen. Stark machen will Matiaske sich für bessere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was ausreichende und der Nachfrage angemessene Angebote in der Kinderbetreuung ebenso wie die Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen einbeziehe. An dieser Stelle warb der IVO-Vorsitzende Rudolf Burjanko dafür, mehr in die berufliche Wiedereingliederung und Nachqualifizierung von Frauen zu investieren, um deren Erwerbschancen ebenso zu verbessern wie dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. Als weitere Zielgruppe machte Matiaske ausländische Neubürger aus, für die besondere Anstrengungen in der Integration und Qualifizierung unternommen würden. Schließlich richtete der Kreischef an die große Zahl der beruflichen Auspendler einen Appell, sich das breit gefächerte Arbeitsplatzangebot der heimischen Wirtschaft anzusehen Nicht zuletzt durch kürzere Fahrtzeiten würde dies auch mehr Lebensqualität für die Erwerbstätigen bedeuten.

Darauf angesprochen, unter welches übergeordnete Ziel er seine Anstrengungen einordne, antwortete Matiaske: „Am wichtigsten ist es mir, unseren Kreis als lebenswert zu erhalten. Mit jeder verhinderten Schließung, ob dies ein Gasthaus oder ein Geschäft betrifft, wird die Lebensqualität gestärkt.“ Für mehr Gewerbeflächen machte sich Daniel Theobald stark, der in der IHK verantwortlich zeichnet für die Standortpolitik. Es genüge auf Dauer nicht, nur den Bestand zu sichern, ohne Anwerbungen vorzunehmen. Matiaske stimmte darin überein, dass der Odenwaldkreis ein größeres Potenzial für „grüne Technologien“ besitze als bisher davon Gebrauch gemacht worden sei. Wie weit vorne auf der politischen Agenda die Kreisentwicklung angesiedelt ist, erfuhren die Zuhörer auf die Frage des Moderators nach der Zielvorgabe im alle drei Jahre aktualisierten Prognos-Zukunftsatlas. 2019 landete der Odenwaldkreis im bundesweiten Ranking auf Rang 295. Matiaske möchte mit den seiner Ansicht nach vergleichbaren Nachbarkreisen Neckar-Odenwald und Miltenberg gleichziehen. Diese rangierten zuletzt auf Platz 207 beziehungsweise 238.

Video vom Wirtschafts-Talk: 
https://www.youtube.com/watch?v=OLQPMsDYDuQ

Hinweis zum Bild: Wirtschaftsgespräch mit Landrat Frank Matiaske am 27. Oktober 2021
Fotograf: Arndt Falter

 


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 08.11.2021

Hat die Pandemie den Mangel an Fachkräften beschleunigt oder reduziert?
In Bezug auf den Odenwaldkreis ist Dr. Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Goethe-Universität Frankfurt zu einem differenzierten Ergebnis gekommen.

In jedem zweiten Jahr werden die Daten neu erhoben, machte die Wissenschaftlerin zu Beginn ihres Vortrags am Beruflichen Schulzentrum in Michelstadt deutlich. Der Odenwaldkreis war der erste Landkreis in Hessen, der mit dem brandneuen Material von Regio Pro (Regionale Beschäftigungs- und Berufsprognosen) versorgt wurde.

In der Summe habe der Arbeits- und Fachkräfteengpass im Odenwald durch Corona eine leichte Entspannung erfahren, so Larsen. Ohne den Pandemieeffekt wäre in der Siebenjahresbetrachtung (2017 bis 2024) eine Lücke von annähernd 5000 Fachkräften entstanden; tatsächlich sei von einer Lücke von 4170 Beschäftigten bis zum Jahr 2026 auszugehen. Damit zähle der Odenwaldkreis mit einer Fachkräftelücke von zwölf Prozent (anteilig der Gesamtbeschäftigten) zu den Schlusslichtern in Hessen.

Die einzelnen Branchen betrifft es unterschiedlich stark. Mit etwa zehn Prozent komme der größte Sektor, die kunststoffverarbeitende und Kautschuk-Industrie, noch vergleichsweise glimpflich davon. Härter betroffen sei der Bedarf in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (-13 Prozent), bei den Gebäude- und versorgungstechnischen Berufen (-29) oder in der Gesundheitsbranche (-23) und Altenpflege (-24). Als die stärkste Gruppe unter den Potenzialen zur Fachkräftesicherung machte die Referentin die Frauen aus. Von den 8600 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen sei nur die Hälfte in Vollzeit beschäftigt; als Geringverdienerinnen kämen weitere 3300 hinzu. Als Problem dieser Beschäftigungslücke gegenüber Männern machte sie eine „Lohnlücke“ von 19,7 Prozent aus, womit der Odenwaldkreis den drittschlechtesten Platz unter allen 26 Gebietskörperschaften (Hessen im Durchschnitt 11,9) einnehme. Mit einer Verringerung von gerade mal 1,9 Prozent (Hessen: 4,0) in den Jahren 2012 bis 2018 hinke der kleinste Landkreis in der Entwicklung gar auf dem letzten Platz hinterher.

Larsen räumte auch den älteren Beschäftigten und vor allem Auspendlern weitere Potenziale ein, um den Fachkräftebedarf decken zu können. Mit 56 Prozent suchten derzeit besonders im Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik mehr als jeder zweite Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz auf, der sich außerhalb der Kreisgrenzen befinde. Arbeitgebern, die nach Arzthelferinnen, Fachkräften in der Kranken- und Altenpflege sowie in der Erziehung suchten, empfahl sie, ein ungenutztes Potenzial von 20 bis 27 Prozent anzusprechen, das in der Altersspanne zwischen 50 und 59 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehe.

An der Veranstaltung am 7. September nahmen rund 30 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden teil. Eingeladen hatte die Kreisverwaltung; bei der Durchführung traten die IVO und die OREG als Unterstützer auf.


Autor: Manfred Giebenhain
Veröffentlicht: 13.09.2021

Wirtschaftsbeirat der OREG erstellt Bestandsaufnahme und setzt auf Kooperation

Erbach. Wie bewerten Vertreter der Odenwälder Wirtschaft die derzeitige Lage und die möglichen Auswirkungen der Coronakrise für den Wirtschaftsstandort Odenwaldkreis und die heimische Wirtschaft? Mit dieser Fragestellung hat der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats der Odenwald-Regionalgesellschaft mbH (OREG), Jürgen Walther, die Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums um ihre fachliche Einschätzung gebeten. Damit ist die Odenwälder Wirtschaft auch in den Dialog um eine vollumfängliche Bewertung der gesamtgesellschaftlichen Lage eingetreten.

Die Satzung des Wirtschaftsbeirats regelt, dass das ehrenamtlich arbeitende OREGBeratungsgremium vom Vorsitzenden der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) geführt wird. Mit dieser Rolle wurde Walther von den Mitgliedern der IVO zum ersten Mal vor zehn Jahren betraut. „Die Gesellschaft und die Wirtschaft weltweit befindet sich in einer Situation ungekannter Herausforderungen. Keiner von uns weiß, was noch auf uns zukommt und keiner kann abschätzen, wie sich die Situation entwickelt“, hat Walther seiner Fragestellung vorangestellt. Wie er, begrüßen auch andere namhafte Wirtschaftsvertreter der Region, dass sich in einer zweiten Phase der Krisenbewältigung neben Politiker und Virologen nun auch Fachleute aus Bereichen wie der Ökonomie, Psychiatrie und Psychologie, Agrar- und Sozialwissenschaftler in die Diskussion um weitere Maßnahmen eingebracht und ihre Empfehlungen für einen geordneten Ausstieg aus dem Shutdown abgegeben haben.

Zu den Stärken addiert Walther, dass die OREG und der Bereich Wirtschaftsförderung bereits in einem regen und förderlichen Austausch mit der heimischen Wirtschaft steht und das engmaschig gestrickte Netzwerk sich besonders jetzt in der Krise bewährt. „Das Team rund um Geschäftsführer Marius Schwabe und Gabriele Quanz leisten hervorragende Arbeit. Wir begrüßen es sehr, dass der Wirtschafts-Service mit einer kostenfreien telefonischen Beratungsstelle den Odenwälder Unternehmen bei der Auskunft und Beantragung der Soforthilfen aus den Bundes- und Landesprogrammen tatkräftig zur Seite steht (siehe auch unter www.oreg.de/info-corona/).“

Aus der Rezession darf keine Depression werden

Der Vorstandsprecher der Volksbank Odenwald, Ralf Magerkurth, befürchtet, dass besonders der Mittelstand, die kleinen und mittleren Unternehmen, die Auswirkungen dieser Krise hart zu spüren bekommt. Bundesweit treffe dies vorrangig auf die Gastronomie und Hotellerie und das Reisegewerbe zu, davon können auch Eventagenturen, Kinos, Fitnessunterschätzen sind die Auswirkungen im Prüfungsbereich. Durch die zeitlichen Verschiebungen der Prüfungen müssen eventuell Ausbildungszeiten verlängert werden“, gibt Buschmann zu Bedenken.

Ungerechtigkeiten schnellstmöglich beseitigen

Landrat Frank Matiaske betont, dass es ihm in der derzeitigen Situation wichtig ist, sowohl die Seite der Unternehmen und ihrer Inhaberinnen und Inhaber als auch die der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick zu haben. „Viele machen sich verständlicherweise große Sorgen um die eigene Firma, aber auch darüber, ob der Kredit für das Eigenheim zurückgezahlt werden kann.“ Deshalb sei ein kompetentes Beratungsangebot in allen Bereichen wichtig. Mit Blick auf den „Shutdown“ dringt Matiaske darauf, dass im ersten Schritt Ungerechtigkeiten schnellstmöglich beseitigt werden müssten.

Für den Bereich der Industrie stellt Jürgen Walther als IVO-Vorsitzender fest, dass in dem für den Odenwald prägenden Bereich Kunststoff- und Kautschukverarbeitung sowie Maschinenbau ebenfalls ein differenziertes Bild zu zeichnen ist. Während große Bereiche der Reifenproduktion in der Region weiterhin stillstehen, kommen die Kunststoff-Verarbeiter im Bereich der Medizintechnik mit ihren Kapazitäten kaum nach, den Bedarf zu bedienen. Auch die Plexiglas-Verarbeiter arbeiten zum Teil im Schichtbetrieb, einerseits um die Ansteckungsgefahr unter den Mitarbeitern zu minimieren, andererseits aber auch um der große Nachfrage nach sog. Spuck-Schutzen nachzukommen.

„Schwierig ist es auch für die großen Montagebetriebe, die auf die Lieferung von Komponenten aus Italien oder China angewiesen sind, um ihre Produkte herzustellen. Völlig eingebrochen hingegen sind die Aufträge der Werbeagenturen, der Event- und Messebranche“, ergänzt Walther.


Über 700 Firmen beantragten Kurzarbeitergeld


Die Wirtschaftsvertreter stimmen darin überein, dass bei einer Lockerung der Abschottungsmaßnahmen Risikogruppen besonders berücksichtigt werden müssen. Magerkurth geht fest davon aus, dass es weiterhin erhebliche Verhaltensregeln zu beachten geben wird, was auch auf den normalen Wirtschaftsbetrieb und die Speisegastronomie zutreffen wird. „Großveranstaltungen bleiben problematisch und stehen wohl am Ende der Kette der Normalisierung.“ Die Politik sei gut beraten, den volkswirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, damit am Ende die vielen Förderprogramme und die Stabilität des Gesundheitswesens aufrechterhalten werden können.


Eine Ende März von der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar gestartete Blitzumfrage bestätigt, dass in Folge der verhängten Maßnahmen jedes vierte Unternehmen in Südhessen damit rechnet, dass der eigene Umsatz im laufenden Jahr um bis zur Hälfte einbrechen wird. Von einer Insolvenz sehen sich 17 Prozent der Unternehmen bedroht. Mit 709 Firmen (von insgesamt 4014), die bis Ende März Kurzarbeitergeld beantragt haben, ist der Odenwaldkreis überdurchschnittlich stark betroffen (IHK-Bezirk gesamt: 6945 von insgesamt 45 829). Zum Vergleich die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten: IHK-Bezirk 387 790; Odenwaldkreis 27 659. „Im Odenwaldkreis liegt der Anteil der Industriebeschäftigten mit 40 Prozent sogar über dem südhessischen Durchschnitt“, betont Dr. Daniel Theobald, der den


Autor: WIRTSCHAFTSBEIRAT der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (OREG), Erbach
Veröffentlicht: 16.04.2020